Einbindung 1. Bild Einbindung 2. Bild Einbindung 3. Bild Einbindung 4. Bild Einbindung 5. Bild Einbindung 6. Bild
  • Schrift vergrößern
  • Schrift vergrößern
  • Standard wiederherstellen
  • Schrift verkleinern
  • Schrift verkleinern
 
Sie sind hier: Presse

Presse


zurück

Rotenburger Rundschau vom 18.05.14

Hilferuf von Hebammen

Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz besuchte Rotenburg

von Stephan Voigt

Rotenburg. Medizinischer Fortschritt ist gut, wird aber auch von den Haftpflichtversicherungen gern ins Feld geführt, wenn sie Prämienerhöhungen für Hebammen rechtfertigen müssen. Durch Fehler behinderte Kinder leben nämlich länger. Die immensen Beitragszahlungen zwingen viele Hebammen, ihren Beruf aufzugeben. Bundestagsabgeordneter Reinhard Grindel (CDU) hat nun die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Annette Widmann-Mauz, zu dem Thema nach Rotenburg eingeladen.

Hebammen aus dem gesamten Kreisgebiet folgten der Einladung. Am großen Tisch im Rotenburger Ratssaal saßen welche aus Rotenburg ebenso wie welche, die in der Bremervörder Oste-Med-Klinik arbeiten. Und alle hatten etwas zu sagen, anzumerken und zu kritisieren.
Bürgermeister Detlef Eichinger mahnte zu Beginn, die Lage der Hebammen sei nicht nur bedrohlich: „Sie ist weit, weit mehr als das.“ Und Grindel gab zu bedenken, dass zwar dringend Lösungen für die Versicherungsproblematik her müssen, dass diese aber auch ins System zu passen haben.
Widmann-Mauz machte dann darauf aufmerksam, dass die vielen unterschiedlichen Beschäftigungsverhältnisse der Hebammen die Problemlösung verkomplizieren und fügte hinzu, die Bundesregierung habe sich die Lage der Geburtshelferinnen zum Thema gemacht: „Die Möglichkeit der Frauen zur freien Wahl des Geburtsortes steht bei uns im Koalitionsvertrag. Das können wir nur erfüllen, wenn es Ihren Berufsstand gibt“, wandte Widmann-Mauz sich an die Gäste und gab auch Fehler zu: „In der vergangenen Legislaturperiode haben wir gedacht, wir lösen das Problem, wenn wir die Versicherungen dazu zwingen, Ihr Honorar so stark anzuheben, wie die Versicherungsprämien steigen.“ Dies habe aber nicht ausgereicht, weil dies zu einer Ungleichbehandlung von Hebammen mit wenigen und vielen Geburten geführt hat.
Die Lage ist also vor allem im ländlichen Raum, wo eine Hebamme weniger Geburten im Monat hat, prekär. Das Problem soll, so die parlamentarische Staatssekretärin, mit kurz- und langfristigen Maßnahmen behoben werden. Gesundheitsminister Hermann Gröhe habe nun vorgeschlagen, einen sogenannten Sicherstellungszuschlag einzuführen und die Krankenkassen an der Problembeseitigung zu beteiligen. Diese sollen nämlich die Vergütungen pro Geburt für die Hebammen in höherem Maße steigern, als die Haftpflichtversicherungen ihre Prämien anheben. Außerdem sollen die Kranken- und Pflegeversicherungen im Falle eines Fehlers der Hebammen kein Geld mehr von Haftpflichtversicherungen bekommen. „Durch diesen Regressverzicht können wir die Prämien für die Haftpflichtversicherung um etwa 30 Prozent reduzieren. Das kann man relativ schnell umsetzen, ist aber sicher immer noch nicht der Himmel auf Erden“, sagte Widmann-Mauz angesichts der Summen von jährlich mehr als 6.000 Euro, die Habammen für die Haftpflichtversicherung zu zahlen haben.
Eine der Geburtshelferinnen, die am Bremervörder Krankenhaus arbeitet, rechnete vor, dort gebe es etwa 30 Geburten pro Monat. „Wir sind aber sieben Hebammen und bekommen pro Geburt 270 Euro – sie können sich ausrechnen, was da an Lohn herauskommt.“ Zudem bestehe in Bremervörde die Pflicht, dass immer eine Hebamme in der Klinik anwesend ist – für einen Stundenlohn von sechs Euro.
Die anwesenden Frauen hatten dann noch zahlreiche Hinweise und Anmerkungen für die weitere Gesetzgebung, die von Widmann-Mauz notiert wurden. Die Staatssekretärin, die trotz zahlreicher Termine an jenem Tag aufmerksam zuhörte, machte nur einmal eine schlechte Figur, als sie nicht wusste, dass längst nicht mehr bei jeder Geburt auch ein Arzt anwesend ist. „Den holen wir nur, wenn wir ihn brauchen“, sagte eine Hebamme und eine weitere fügte an: „Wenn ein junger Arzt, der gerade von der Uni kommt, dabei ist, und etwas schief geht, wird das immer der Hebamme in die Schuhe geschoben – die ist ja die Berufserfahrene.“ Eine andere monierte die vielen Überstunden und den damit verbundenen Freizeitmangel und wieder eine andere wies darauf hin, dass geregelt werden müsse, wie Hebammen entlohnt werden, wenn sie anfangs eine Geburt betreuen, die Niederkunft dann aber doch im Krankenhaus erfolgen muss. Außerdem wurde von allen Seiten darauf hingewiesen, dass Hebammen nicht nur bei Geburten helfen, sondern auch Prävention betreiben, Familien beraten und damit viele unterschiedliche Aufgaben von allgemeinem Interesse wahrnehmen.
Diesen Hinweis griff auch Widmann-Mauz nochmals auf, schließlich sei die Tätigkeit von Familienhebammen, für die die Landkreise verantwortlich sind, ein enormer Beitrag. „Da müssen wir noch mal mit den Landkreisen und den Ländern sprechen, was die Versicherung angeht. Wir können nämlich nicht jedes gesellschaftliche Problem auf die Krankenversicherung abschieben.“
Außerdem kritisierte die Staatssekretärin, dass die Hebammen-Verbände zunächst nicht bereit waren, mit den Krankenkassen auf Augenhöhe zu sprechen und gab zu bedenken: „Wir sprechen nicht über Zufälle und müssen daher aufpassen, dass andere Krankenversicherungsnehmer sich nicht fragen, wieso sie für grobe Fehler von Hebammen mitzahlen sollen. Das darf aber nicht dazu führen, dass ein ganzer Berufsstand ausstirbt.“


Reinhard Grindel und Annette Widmann-Mauz diskutierten im Rotenburger Ratssaal mit den Hebammen

zurück


CDU Deutschland CDU/CSU Fraktion Deutschland CDU Niedersachsen CDU Fraktion Niedersachsen
CDU Kreisverband Rotenburg / Wümme CDU Kreisverband Heidekreis  
Heiner Ehlen Mechthild Ross-Luttmann Gudrun Pieper Lutz Winkelmann
Newsletter CDU.TV CDU-Mitgliedernetz  
© Reinhard Grindel MdB