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Bremervörder Zeitung vom 13.03.07

"Nehme die Bedenken der A-22-Gegner sehr ernst"

BZ-Interview mit dem Rotenburger Bundestagsabgeordneten Reinhard Grindel (CDU) über die Küstenautobahn - Ausgewogene Lösung finden

Bremervörde. Autobahnplaner sind derzeit damit beschäftigt, die für den Bau der Küstenautobahn (A 22) günstigste Straße zu finden. Im Bremervörder Rathaus hoffen die Verantwortlichen, dass die Entscheidung zu Gunsten der südlicheren Variante fällt, die im Nahbereich der Stadt verläuft. Dagegen formiert sich jedoch bereits Widerstand. Vor allem im Bereich der Samtgemeinde Geestequelle wird befürchtet, das sich die Autobahn negativ auf die Lebensqualität auswirkt. Zu dem Thema A 22 führte BZ-Redakteur Rainer Klöfkorn ein Interview mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Reinhard Grindel, der zu den Befürwordern gehört.

BZ: Herr Grindel, die Planung der A 22 (Küstenautobahn) macht Fortschritte. Unabhängig von der Entscheidung für eine Streckenvariante bleibt die Frage nach der Finanzierbarkeit. Wie will der Bund das notwendige Geld aufbringen?

Grindel: Wir müssen sicher - nach entsprechenden gesetzlichen Änderungen -- ein Modell anstreben, wie es für den sechsspurigen Ausbau der A 1 praktiziert werden soll. Dabei übernimmt der Bund eine Anschubfinanzierung. Der deutlich größere Teil der Baukosten wird von dem Firmenkonsortium getragen, das über einen Zeitraum von 30 oder mehr Jahren eine Rückerstattung über Mauteinnahmen auf der Autobahn erhält.

BZ: Sind Sie überzeugt, dass es dafür Investoren geben wird?

Grindel: Angesichts der großen Zahl von Bietergemeinschaften, die bei allen fünf im Bundesgebiet anlaufenden Autobahnmodellen aufgetreten sind, habe ich keinen Zweifel, dass sich Investoren finden werden.

BZ: Viele mittelständische Unternehmer haben durch Spenden einen finanziellen Beitrag zur Beschleunigung der Planung der Küstenautobahn geleistet. Grindel: Ich sehe das sehr positiv. Diese Unternehmer werden selbst sicher am besten einschätzen können, welche Vorteile ihnen die Küstenautobahn bringt. Die schnellere Erreichbarkeit der Metropolen erweitert die Auftragsmöglichkeiten vieler kleinerer und mittlerer Unternehmen, die gerade durch Flexibilität überzeugen müssen. Gegner der Autobahn sollte zu denken geben, dass die Gewerkschaften das Projekt nachhaltig unterstützen.

BZ: Was macht Sie so sicher, dass sich Unternehmen an der Autobahn ansiedeln
werden?

Grindel: Die Erfahrung zeigt, dass sich unmittelbar an Autobahnen, die große Transversale zwischen Wirtschaftsräumen darstellen, gerne Unternehmen der Logistikbranche ansiedeln, die auch über ein Angebot von Arbeitsplätzen für etwas weniger qualifizierte Arbeitssuchende verfügen. Nach Auskunft des Wirtschaftsförderers des Landkreises Rotenburg können schon heute entlang der A 1 Anfragen nach großen zusammenhängenden Gewerbeflächen nicht befriedigt werden. Hier bieten sich große Chancen für die Küstenautobahn.

BZ: Wie wichtig ist dier verkehrliche Erschließung durch die Autobahn im Vergleich zu anderen Faktoren?

Grindel: Ich verweise auf eine Studie der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), die unter mehreren tausend Unternehmen eine Umfrage zur Attraktivität der einzelnen Kammerbezirke für Ansiedlungen durchgeführt hat. Dabei ist der Kammerbezirk Stade unter allen westdeutschen Industrie- und Handelskammern auf den vorletzten Platz gelandet. Entscheidend dafür war die schlechte Infrastruktur. Ich erinnere auch an die Pläne von BMW, im Elbe-Weser-Raum ein großes Fertigungswerk zu errichten. Auch dies scheiterte im Ergebnis an der schlechten verkehrlichen Erschließung.

BZ: Kritiker werden erwidern, dass eine gute verkehrliche Erreichbarkeit sicher nicht der einzige Einflussfaktor für die Ansiedlungsentscheidung von Unternehmen ist.

Grindel: Sie ist aber eine notwendige Voraussetzung. Entscheidend kommt es dabei auf die Verknüpfung von Netzen und die Bildung großräumiger Entwicklungsachsen an. Insofern kann die Küstenautobahn auch nur sehr begrenzt mit Stichautobahnen wie der A 27 zwischen Bremerhaven und Cuxhaven verglichen werden.

BZ: Trotz aller möglichen wirtschaftlichen Vorteile: Was sagen Sie zu dem Vorwurf, dass die Autobahn die Lebensqualität der Menschen beeinträchtigt und wertvolle Naturräume zerstört werden?

Grindel: Diese Bedenken nehme ich sehr ernst. Die Menschen in Bremervörde oder am Rande einiger Bundes- und Landesstraßen, die zur Zeit durch Lkw-Verkehre belastet sind, die das Bremer Kreuz umfahren, haben aber auch den Anspruch, dass wir die überregionalen Verkehre auf Straßen bringen, die besser aufnahmefähig sind. Für die innerörtliche Entwicklung vieler Städte und Gemeinden wäre die Küstenautobahn vorteilhaft. Durch die Verlagerung von Transitverkehren von der A 1 auf die A 22 würden auch die zahlreichen Staus und die damit verbundene Umweltverschmutzung vermieden, die durch die völlige Überlastung dieser Autobahn - insbesondere zwischen Hamburg und Bremen - entstehen. Die A 22 würde also gerade unter klimapolitischen Gesichtspunkten entlastend wirken.

BZ: Und dennoch: Der Verkehr würde weiter zunehmen.

Grindel: Angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung in der Welt und der dynamisch wachsenden Mobilität von Menschen und Gütern wird es im Elbe-Weser-Raum in jedem Fall wachsende Transitverkehre geben. Dabei verweise ich nur auf die stark ansteigenden Umschlagzahlen in allen norddeutschen Häfen. Diese Entwicklung wird sich durch den Bau des Jade-Weser-Ports weiter fortsetzen. Jetzt kommt es darauf an, die Verkehre so abzuwickeln, dass von ihnen gerade keine unvertretbaren Auswirkungen auf die Menschen ausgehen.

BZ: Wieviel neue Arbeitsplätze wird die Autobahn mit sich bringen?

Grindel: Kein seriöser Politiker kann dies zum jetzigen Zeitpunkt beziffern. Dies hängt von Standortentscheidungen ab, deren Beschäftigungsauswirkungen realistischerweise zum jetzigen Zeitpunkt nicht abgeschätzt werden können. Ein psychologisch wichtiger Aspekt ist aber auch, dass den Unternehmen, die sich zur Zeit überlegen, ob sie langfristig im Elbe-Weser-Raum bleiben, mit den Planungen für die Küstenautobahn eine Zukunftsperspektive geboten wird, die sie schon heute an ihren Standorten bei uns hält.

BZ: Wie stehen Sie zu den Alternativen für die A 22, zum Beispiel der Erweiterung des Schienennetzes und der Binnenschifffahrt.

Grindel: Selbstverständlich wird ein Teil des Güteraufkommens aus dem Jade-Weser-Port auf der Schiene und der Wasserstraße weiter transportiert werden. Die Deutsche Bahn hat in der Frage der Flexibilität erheblich zugelegt. Gleichwohl ist der Transport auf der Straße oftmals noch schneller und preiswerter abzuwickeln. Auf der anderen Seite heißt eine Erweiterung des Schienennetzes natürlich beispielsweise auch die Umsetzung der Planung der Y-Trasse. Gegen diesen Bau neuer Schienenwege erheben sich aus der betroffenen Region auch erhebliche Proteste, die ich auch für berechtigt halte, weil neue Schienenstrecken - jedenfalls im Fall der Y-Trasse - Räume nicht erschließen, sondern zerschneiden. Die schnellen Verkehre verdrängen die langsamen. Es gibt keine Haltepunkte in der betroffenen Region. In diesem Fall ist wirklich zu befürchten, dass eine solche Entwicklung für die Menschen vor Ort nur nachteilig ist.

BZ: Derzeit laufen Untersuchungen über die Trasse der künftigen Autobahn. Was erhoffen Sie sich davon?

Grindel: Ich hoffe sehr, dass es dabei allen politisch Verantwortlichen gelingt, eine Lösung zu finden, die gute wirtschaftliche Perspektiven und den Schutz der Umwelt so miteinander verbindet, dass am Ende alle Betroffenen den Bau der Küstenautobahn akzeptieren können. Im Verlauf der Untersuchung werden die verschiedenen Trassenalternativen unter allen Gesichtspunkten möglicher schädlicher Auswirkungen auf Mensch und Natur gegeneinander abgewogen. Im Zuge des Planfeststellungsverfahrens wird es eine breite Bürgerbeteiligung geben. Jeder wird die Möglichkeit erhalten, Bedenken zur Geltung zu bringen.

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