Einbindung 1. Bild Einbindung 2. Bild Einbindung 3. Bild Einbindung 4. Bild Einbindung 5. Bild Einbindung 6. Bild
  • Schrift vergrößern
  • Schrift vergrößern
  • Standard wiederherstellen
  • Schrift verkleinern
  • Schrift verkleinern
 
Sie sind hier: Presse

Presse


zurück

Rede vom 11.02.10

Rede aus Anlass des Feierlichen Gelöbnisses in Munster

Heute ist ein wichtiger Tag in Ihrem noch jungen Soldatenleben.

Sie werden in wenigen Minuten vor Ihren älteren Kameraden und Ihren Vorgesetzten, vor Ihren Eltern und Angehörigen geloben, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen. Für diese Entscheidung spreche ich Ihnen als direkt gewählter Abgeordneter der Stadt Munster im Deutschen Bundestag meinen Dank und meine Anerkennung aus.

Die Bundeswehr braucht Sie!
Jeden Einzelnen von Ihnen!
Sie sind seit wenigen Wochen Soldaten. Seitdem hat sich Ihr Alltag gravierend verändert. Über Ihre ersten Erfahrungen habe ich mit einigen Ihrer Kameraden letzte Woche persönlich gesprochen.

„Hier herrscht ein geregelter Ablauf und mehr Disziplin als ich mir das vorgestellt habe. Die Bundeswehr bringt Ordnung in mein Leben“, hat ein Rekrut gesagt. Und zwar auch ganz praktisch. Einer erzählt: „Ich war früher ein bisschen schludrig. Meine Mutter hat mir immer meine Sachen hingelegt. Jetzt mache ich das selbst und ich lege sie auch zusammen. Das hat meine Mutter überrascht und gefreut.“

Nahezu alle haben die gute Kameradschaft gelobt mit Menschen, die man vorher ja gar nicht kannte. Einer von ihnen hat betont: „Wenn man bei diesem Wetter im Biwak ist und man kann sich nicht darauf verlassen, dass jeder seinen Auftrag erfüllt, dann wird es richtig kalt.“

Kalt lässt niemanden der Dienst hier – das war bei den Gesprächen deutlich zu spüren. „Jeden Abend ist man stolz, dass man den Tag im Gelände geschafft hat“, ist zu hören. Aber nicht nur man selbst, sondern jeder der Kameraden auf der Stube. „Die Introvertierten unterstützen wir und die Charakterstarken bremsen wir etwas aus. Und den Lernschwachen helfen wir. Wir helfen beim Lernen. Dann geht es eben mal nicht zum Essen oder zum Rauchen“, wird über Ihre ersten Erfahrungen im soldatischen Alltag berichtet.

Mehrere meinten, die Bundeswehr setze klare Rahmenbedingungen. Es werde mit mehr Konsequenz ans Werk gegangen als man das bisher erlebt habe. Man lerne Rücksichtnahme und Respekt.

Die Bundeswehr ist heute mehr denn je Spiegelbild unserer Gesellschaft.

Mein Eindruck ist: der Dienst in der Bundeswehr ist nicht länger nur Dienst am Vaterland, sondern ein Dienst, aus dem man für sich selbst wichtige Erfahrungen zieht.

Sie allein entscheiden darüber, wie Sie Ihre Zeit in der Bundeswehr für sich nutzen und wie viele Erfahrungen Sie für Ihr späteres Leben mitnehmen.

Sich selbst mehr zuzutrauen und auch zu eigenen Fehlern zu stehen. Verantwortung zu übernehmen und Disziplin zu lernen, das muss kein Nachteil für den späteren Lebensweg sein.

Für einige von Ihnen ist die Zeit bei der Bundeswehr auch mit neuen wirtschaftlichen Perspektiven verbunden. Sie werden hier Ihren Arbeitsplatz finden oder überbrücken eine Phase der Arbeitslosigkeit. Die Bundeswehr ist ein attraktiver Arbeitgeber, der über eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Beschäftigungsmöglichkeiten verfügt. Nutzen Sie auch diese Chancen.

Die Zeit bei der Bundeswehr – das kann auch eine wichtige Lebensphase der Selbsterkennung sein. Und es freut mich, dass eine Reihe von Ihnen mehr Herausforderungen beim Sport will oder sich auch mehr politische Bildung wünscht. Es ist für jeden von Vorteil, wenn man sich nicht nur bei World of Warcraft gut auskennt, sondern sich – weg vom Computer – körperlichen oder geistigen Herausforderungen stellt und vielleicht auch mehr über unsere Verfassung oder die politischen Institutionen kennen lernt.

Ziehen Sie aus dem neunmonatigen Eingebundensein in ein klar strukturiertes Vorgesetzten-Untergebenen-Verhältnis auch Gewinn, indem Sie Erfahrungen sammeln für die Zeit, in der Sie in Ihrem eigenen Berufsleben selbst einmal Führungspositionen übernehmen und für andere Menschen verantwortlich sein werden.

Dabei will ich hervorheben, dass die beiden jungen Damen, die bei unserer Gesprächsrunde dabei waren, betont haben, dass die Ausbilder mit ihnen sehr gut umgehen. Das will ich sehr gerne nicht nur Minister zu Guttenberg, sondern auch Frau von der Leyen und Frau Köhler berichten.

Umgekehrt halten Sie, die Rekrutinnen und Rekruten, das Führungskorps unserer Bundeswehr jung, weil sich Ihre Ausbilder und Vorgesetzten den Problemen der Heranwachsenden täglich aufs Neue stellen müssen. Aber Ihre Ausbilder, das haben Sie lobend erwähnt, bestehen diese Herausforderungen sehr gut. Eine ganze Reihe von Ihnen hat mir erzählt, dass Sie Feldwebel werden wollen. Wenn Ihre Vorgesetzten keine guten Vorbilder wären, hätten Sie diesen Wunsch wahrscheinlich nicht. Es ist wichtig, dass man auf die Lebenswirklichkeit der Wehrdienstleistenden eingeht und auch ihre schulischen und beruflichen Qualifikationen nutzt, weil die Bundeswehr dadurch auch eine intelligente Armee ist.

Das ist einer der vielen Gründe, die für die Beibehaltung der Wehrpflicht sprechen: Die Grundwehrdienstleistenden sind Staatsbürger in Uniform, die den gesellschaftlichen und technologischen Wandel in die Streitkräfte tragen und so der Inneren Führung Dynamik und Anpassungskraft an diesen Wandel abverlangen.
Vertrauen wächst nicht durch Befehl und Gehorsam, durch Rangunterschiede oder Privilegien. Vertrauen wächst durch die Einheit von Reden und Handeln, durch das gemeinsame Ertragen von Belastungen, Entbehrungen und Gefahren. Es wächst durch die Zeit, die man sich für untergebene Kameraden nimmt, um diese als individuelle Persönlichkeiten kennen zu lernen, durch das Zuhören, durch das Eingehen auf deren Sichtweisen und Belange. Es erfordert Berechenbarkeit und Achtung im Umgang miteinander. Es erfordert das Erdulden von Widerspruch und konstruktive Kritik, was die Inkaufnahme von Fehlern einschließt, weil man den Rekruten auch Freiräume gewähren muss – alles das ist ein Kernbestandteil des Führens mit Auftrag.

Der ständige Austausch zwischen Gesellschaft und Bundeswehr, der durch die Wehrpflicht gewährleistet wird, garantiert die demokratische Kontrolle der Streitkräfte z.B. durch Ihre Familien und Ihre Freunde. Diese richten verstärkt und auch kritisch ihr Augenmerk auf die Bundeswehr, weil nun einer aus ihrer Familie oder dem Freundeskreis zum Dienst verpflichtet wurde.

Und diese kritische Begleitung ist richtig und nötig. Unsere Armee darf niemals ein undurchschaubarer Staat im Staate sein. Unsere Bundeswehr – das ist die Armee unserer Söhne und immer öfter auch unserer Töchter. Die allgemeine Wehrpflicht ist Ausdruck des Willens, die Verteidigung des Landes zur Sache aller Bürger zu machen. Wir alle sind verpflichtet, dafür zu sorgen, dass wir eine gute Armee haben. Mit der Neustrukturierung der Wehrpflicht werden wir außerdem dafür sorgen, dass die Wehrgerechtigkeit auch tatsächlich gewährleistet ist.

Ihre Ausbildung wird viel von Ihnen abfordern und sie wird deutlich einsatzorientierter sein. Checkpoint-Kontrollen und vieles mehr wird schon Grundwehrdienstleistenden vermittelt, was früher nicht so der Fall war.

Die Bundeswehr ist eine „Armee im weltweiten Einsatz“. Darauf muss schon in Ihrer Ausbildung reagiert werden.

Gerade deshalb will ich an dieser Stelle betonten, dass militärische Einsätze wie in Afghanistan und der zivile Aufbau des Landes dort keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig bedingen. Wenn unsere Soldaten nicht für Sicherheit sorgen, dann wird der zivile Aufbau nicht gelingen. Den Menschen ein Leben in einem sicheren Umfeld zu ermöglichen, ihnen zu helfen, der Willkür Stärkerer nicht schutzlos ausgeliefert zu sein, und damit den Rahmen zu schaffen, damit die Staatsgewalt ein afghanisches Gesicht bekommt – das ist die Zielsetzung unseres Einsatzes. Deshalb haben die Soldaten der Bundeswehr unseren Rückhalt verdient.

Wehrdienst ist Ausdruck der persönlichen Mitverantwortung des Bürgers für ein Leben in Frieden und Freiheit. Soldaten schützen die Grundrechte und dabei auch das Recht auf Wehrdienstverweigerung. Sie nehmen eine Pflicht wahr, während Zivildienstleistende ein Recht beanspruchen. Dies sind Unterschiede, die in unserer Gesellschaft leicht übersehen werden.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie am Ende Ihrer Dienstzeit sagen können, es war zwar nicht immer bequem für mich, aber es war keinesfalls eine verlorene Zeit.

Ihr Dienst für die Bundesrepublik Deutschland wird hoch geschätzt und Sie genießen dabei Respekt und Anerkennung. Ich verbinde meine Wünsche mit der Hoffnung, dass Sie während ihres Dienstes in der Bundeswehr gesund bleiben. Ich wünsche Ihnen persönlich alles erdenklich Gute, viel Soldatenglück und Gottes Segen!


zurück


CDU Deutschland CDU/CSU Fraktion Deutschland CDU Niedersachsen CDU Fraktion Niedersachsen
CDU Kreisverband Rotenburg / Wümme CDU Kreisverband Heidekreis  
Heiner Ehlen Mechthild Ross-Luttmann Gudrun Pieper Lutz Winkelmann
Newsletter CDU.TV CDU-Mitgliedernetz  
© Reinhard Grindel MdB