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Das Parlament, Berlin, Seite 2 vom 28.02.11

PARLAMENTARISCHES PROFIL

Der Seiteneinsteiger: Reinhard Grindel

Und dann verliert er doch die Fassung. Zwei Stunden lang hat Reinhard Grindel der Bürgerrechtlerin nun zugehört, nicht mit der Wimper gezuckt, als Marianne Fritzen, 86-jährige Veteranin der Anti-Endlagerbewegung, vor dem Gorleben-Untersuchungsausschuss Politik als Verderbnis für den Charakter erklärte. Als die Madame des Widerstands im Wendland sagt: "Eines steht fest, die CDU werde ich nicht mehr wählen", da feixen die Unionsmänner neben Grindel - aber der Niedersachse verzieht das Gesicht ganz enttäuscht, als enterbte sie ihn. Er meint es wohl ernst. Er, der nie nur Parteipolitiker war, zeigt sich persönlich getroffen von der Frau mit dem großen Herz,Grindel, 49 Jahre alt, eilt der Ruf voraus, im Zweifel auszuteilen. Schneidend kann er sprechen, und sein Ex-Job als Fernsehjournalist verhilft ihm zu Sätzen, die haften. "In der Union gelten Innenpolitiker eher als konservativ", wehrt er ab. Es ist eine Woche später, in seinem Büro im Jakob-Kaiser-Haus stapeln sich im Regal Plüschtiere und Fotos. "Ich bin über die Jahre gelassener geworden. Zu Beginn meines Mandats war ich ein kämpferischer Heißsporn." Er verknotet die Hände ineinander. Man lerne als Politiker halt hinzu: "Zum Beispiel bin ich heute für das Bleiberecht von Kindern geduldeter Eltern. Das war ich anfangs nicht." Anfangs war 2002, da wechselte der Leiter des Brüsseler ZDF-Studios von der Außensicht auf die Politik ins Innere. Erstaunlich schnell schaltete der Journalist auf den Mandatsträger für die CDU aus Rotenburg (Wümme) um. 2002 über die Liste in den Bundestag eingezogen, errang er 2009 das Direktmandat. "Es begann mit einem Gespräch beim Bier", erinnert sich Grindel. Sein Vorgänger im Amt dachte in der Kneipe laut nach, Grindel nahm das im Moment nicht ernst. Am Morgen danach begann das Grübeln. "Bei mir drohte nach dem Job in Brüssel eine Verwendung in der ZDF-Anstalt Mainz, die mehr Verwaltung und weniger Journalismus bedeutet hätte", sagt er. Wenn das kein Ansporn war: Zwar stammte lediglich seine Mutter aus Rotenburg, aber der Hamburger drehte seine Runden, stellte sich vor - und wurde als Kandidat aufgestellt.
Im Bundestag setzt die CDU ihn gern in Untersuchungsausschüssen ein, zuerst im Visa-Ausschuss, und nun als Obmann im Gorleben-Ausschuss. Es ist ein Kampfauftrag. Grindel soll der ehemaligen Umweltministerin und heutigen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) den Rücken freihalten. Die Opposition sucht Ungereimtheiten bei der Regierungsentscheidung für Gorleben als mögliches Endlager für Atommüll, beleuchtet Merkels Rolle bei der späteren Erkundung und will die Atomdebatte bis in die kommenden Wahlkämpfe hinein stetig befeuern. Grindel ist der mit dem Feuerlöscher. "Es gibt viele strategische Überlegungen", sagt er über seinen Job im Ausschuss. "Auch belastende Fakten dürfen nicht ignoriert werden." Wie viele Akten er aber im Ausschuss lesen muss, das war dem Ex-Journalisten nicht bewusst. "Das ist viel Arbeit", seufzt er. Rund 6.000 Akten harren der Auswertung. Allerdings bedeutet solche Obmannsarbeit immer eine Bewährungsprobe. Besteht Grindel diese ordentlich, winkt ihm ein Aufstieg. Zumal er auch im Innenausschuss als Obmann wirkt, Mitglied im Kultur- und Medienausschuss ist und sich gern im Sportausschuss zeigt.
Vor seinem Job in Brüssel leitete er das ZDF-Hauptstadtbüro in Berlin, arbeitete als Korrespondent in Bonn. In der CDU ist Grindel seit 1977. Er engagierte sich mit zwölf als Schülersprecher, weil sein Gymnasium eine Gesamtschule .werden sollte. "Die Umwandlung meines Gymnasiums zur Gesamtschule gefiel mir nicht. Schüler sind unterschiedlich und brauchen individuelle Angebote." Der Sohn eines selbstständigen Ingenieurs trat in die Junge Union ein. Parteipolitik betrieb er nur am Rande, die Kontakte blieben.
Grindel steht am Fenster. Auf dem Dach gegenüber glänzt eine autogroße Funkschüssel eines Fernsehsenders. Er putzt seine Goldrandbrille. Hinter sich die Aktenstapel aus den Ausschüssen. "Es war ein Seiteneinstieg in die Politik. Aber jetzt will ich hier bleiben", sagt er und setzt sich.
Jan Rubel


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