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ZRFC Risk, Fraud & Compliance vom 01.02.12

Transparenz gegen Korruption

Der Anti-Korruptionsbeauftragte des DFB im Interview

Der Profifußball ist nicht nur Anziehungspunkt für viele Anhänger und die breite Öffentlichkeit. Er ist inzwischen auch Wirtschaftsfaktor mit hohen Umsätzen und vielen Beschäftigten. Das Risiko von Korruption und anderen wirtschaftskriminellen Handlungen ist auch hier gegeben. Anfang 2011 hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Kommission Nachhaltigkeit ins Leben gerufen, die sich mit der Sicherung eines wertorientierten Fußballs befasst. Bestandteil der Aufgaben der Kommission ist der Kampf gegen die Korruption. Reinhard Grindel wurde vom DFB zum Anti-Korruptionsbeauftragten berufen. Der Jurist ist seit 2002 Mitglied des Deutschen Bundestages und Obmann der CDU/CSU-Fraktion im Innenausschuss. Zuvor arbeitete Grindel als Journalist für verschiedene Fernsehsender. Zuletzt als Leiter des ZDF-Studios in Brüssel. Mit Reinhard Grindel sprach ZRFC-Chefredakteur Prof. Stefan Behringer.

ZRFC: Wie kam es dazu, dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) einen Korruptionsbeauftragten eingesetzt hat?
Reinhard Grindel: Im vergangenen Jahr sind auf dem DFB-Bundestag in Essen eine Reihe von Bekenntnissen zur gesellschaftspolitischen Verantwortung des Fußballs und damit auch des DFB in der Satzung des DFB verankert worden. Der DFB-Präsident Theo Zwanziger wollte, dass die Nachhaltigkeitsaktivitäten des DFB von einer Kommission einmal gebündelt dargestellt werden. Gleichzeitig sollte überprüft werden, wo wir Defizite haben und wo wir mehr machen können. Einen größeren Fokus auf das Thema Korruption zu richten, ist ein Ziel der Kommission.

Warum ist die Wahl auf Sie gefallen?
Theo Zwanzigers Überlegung war, die Kommission nicht nur mit herausragenden Funktionsträgern des DFB zu besetzen, sondern auch mit Experten von außen, die aber einen klaren Bezug zum Fußball und zum DFB haben. Teil dieser Nachhaltigkeitskommission ist beispielsweise auch Claudia Roth, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/ Die Grünen, für den Umweltbereich. Ich bin erster Vizepräsident des Niedersächsischen Fußballverbands. Über diesen Weg stand ich mit dem Vorsitzenden der Nachhaltigkeitskommission, dem DFB-Vizepräsidenten Karl Rothmund, und mit Theo Zwanziger in Kontakt. Die Wahl ist schließlich aber wohl auf mich gefallen, weil ich mich als Bundestagsabgeordneter im Innen- und Sportausschuss mit Fragen beschäftige, die in diesen Bereich hineinspielen.

Durch die große Aufmerksamkeit, die dem Fußball zukommt, erhält der Sport und mit ihm die Vereine auch eine Vorbildfunktion. Was tut der DFB um dieser Vorbildfunktion im Bereich Korruptionsbekämpfung gerecht zu werden?
Wir arbeiten derzeit intensiv daran, einen Compliance-Kodex für unsere Mitarbeiter zu entwickeln. Compliance-Regeln sind natürlich bereits Gegenstand unserer internen Geschäftsordnung und der Arbeitsverträge, aber wir wollen dies nun in einem Kodex bündeln. Bei den ehrenamtlichen Mitarbeitern sind wir gerade dabei, die Herausforderung Prävention im Bereich Wettbetrug und Spielmanipulation anzugehen und ein flächendeckendes Programm zu entwickeln, das vor allem Jugendliche frühzeitig erreichen soll. Sie sollen für die Gefahren von Spielsucht sensibilisiert werden.
Außerdem hat der DFB im Bereich Hospitality eine umfangreiche Selbstverpflichtungserklärung abgegeben und ein rechtliches Memorandum auf den Weg gebracht. Das ist für uns ein Leitfaden für die Einladungspraxis, aber auch für die Sponsoren.

Was wünschen Sie sich von Unternehmen im Bereich Hospitality?
Man muss zunächst einmal unterscheiden zwischen der Einladung an Amtsträger und der Einladung im geschäftlichen Verkehr. Im Zuge des Utz-Claassen-Urteils bestand zunächst auch eine große Verunsicherung bei Geschäftsführern und Vorstandsvorsitzenden, obwohl es sich im Fall von Utz Claassen um eine Einladung an einen Amtsträger, die baden-württembergische Umweltministerin, gehandelt hat. Gegenüber Amtsträgern halte ich größte Vorsicht für geboten, weil der Eindruck von Käuflichkeit von behördlichen Entscheidungen unbedingt vermieden werden muss.
Bei geschäftlichem Verkehr ist die Kontaktpflege weitgehend unbedenklich. Wir haben im Strafrecht nur eine Vorschrift zum Schutz des fairen Wettbewerbs, die verhindern soll, dass durch gezielt durchgeführte Hospitality-Maßnahmen Dritte durch Erlangung unrechtmäßiger Vorteile geschädigt werden und damit der freie Wettbewerb verhindert wird.
Ich hoffe, dass durch unsere Selbstverpflichtungserklärungen insgesamt eine größere Sicherheit entsteht.

Was kann der DFB noch tun?
Es wird schnell der Ruf nach dem Gesetz laut, da bin ich aber sehr zurückhaltend. Als DFB möchten wir den Eindruck vermeiden, dass wir durch eine Änderung des Korruptionsstrafrechts in Deutschland eine Lockerung erreichen wollen. Es war die Absicht des Gesetzgebers durch eine weite Formulierung der Paragraphen zur Korruptionsbekämpfung dafür zu sorgen, alle strafwürdigen Verhaltensweisen erfassen zu können. Mit den Selbstverpflichtungserklärungen, die im Übrigen unter Einbeziehung des Bundesinnenministeriums und Staatsanwälten entwickelt wurden, versuchen wir Transparenz im Einladungsverhalten zu erreichen. Transparenz ist das entscheidende Mittel gegen Korruption. Wir haben auch die Sponsoren dazu eingeladen, unsere Leitlinie zum Anlass zu nehmen, mit den jeweils zuständigen Staatsanwaltschaften zu prüfen, ob unsere Rahmenbedingungen mit dem Korruptionsstrafrecht vereinbar sind.

Die Verunsicherung scheint ja so groß zu sein, dass viele Unternehmen oft gar nicht mehr wissen, wie sie sich verhalten sollen.
Ja, aber es ist auch so, dass die grundsätzlichen rechtlichen Vorgaben nicht bekannt sind. Tatsache ist ebenfalls, dass bei vielen Unternehmen die internen Compliance-Regeln weiter gehen als das, was der Gesetzgeber fordert. Deswegen ist es auch wichtig, dass man als Einladender nicht nur nach den Buchstaben des Gesetzes geht, sondern auch die jeweiligen Compliance-Vorschriften des Geschäftspartners beachtet.

Leidet der Hospitality-Bereich, der ja gerade im Fußball eine große Rolle spielt, darunter?
Als DFB möchten wir, dass der wirtschaftlichen Bedeutung von Hospitality Rechnung getragen wird. Wir sind uns bewusst darüber, dass durch die relativ hohen Einnahmen im Hospitality-Bereich gegenüber den wenigen dafür reservierten Sitzen im Stadion eine Quersubventionierung stattfindet. Dies hat zur Folge, dass unsere Eintrittstickets wesentlich günstiger sind als beispielsweise in der englischen oder spanischen Liga. Bei Sparmaßnahmen werden die Vereine außerdem eher nicht bei der Nachwuchsförderung sparen, was für den Sport auch sinnvoll ist. Wir möchten, dass sich mit der Selbstverpflichtungserklärung die Sponsoren sicher fühlen, wenn sie im Stadion sind, und nicht das Gefühl haben, mit einem Bein auf dem Businessplatz und mit dem anderen im Gefängnis zu sitzen.
Wegen der tiefgreifenden Integrationsfunktion, die Fußball hat, ist es auch naheliegend, dass Geschäftskontakte im Rahmen von Fußballspielen gepflegt werden. Daran ist bei rechtlich anständigem Verhalten nichts Verwerfliches.

Derzeit drängen privates Glücksspiel und Sportwettenanbieter auf den deutschen Markt. Auch im Fußball spielt dies zunehmend eine Rolle. Wie reagiert der DFB darauf?
Gemeinsam mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) haben wir dafür geworben, einen vernünftigen rechtlichen Rahmen für Sportwetten in Deutschland zu schaffen. Das ist also auch als Präventionsmaßnahme zu sehen. Wir möchten nicht, dass jemand, der dabei sein Fußballwissen einbringt, in den illegalen Markt gedrängt wird. Wir bemühen uns deswegen, vieles aus dem illegalen Markt herauszubekommen und in ein lizensiertes, transparentes Handeln zu überführen. Dabei spielt auch der Glücksspielstaatsvertrag eine entscheidende Rolle, der voraussichtlich bald von den Ministerpräsidenten unterzeichnet wird.
In Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und der Vereinigung der Vertragsspieler haben wir zudem ein umfangreiches Präventionsprogramm auf den Weg gebracht – vor allem für jugendliche Spieler. Angefangen bei unseren Stützpunktkoordinatoren, die ausstrahlen auf die Stützpunkttrainer und am Ende bei Eltern und jugendlichen Spielern ankommen, weisen wir auf die Gefahren von Suchtphänomenen hin. Meistens ist ja zuerst die Spielsucht da und aus finanziellen Engpässen heraus sind die Personen dann auch für eine kriminelle Ansprache empfänglich. Wir haben das gerade bei einem Fall in der Regionalliga gesehen. In Zusammenarbeit mit Sportradar versuchen wir auch die technischen Möglichkeiten zu nutzen: Wir erfassen eine Vielzahl an Wettanbietern. Zusammen mit UEFA und FIFA haben wir dort ein Early-Warning-System aufgebaut. Damit werden wir aufmerksam auf ungewöhnliche Wetteinsätze. Die Spiele, auf die dabei gewettet wurde, werden besonders überprüft. Auch anonymen Hinweisen können wir dadurch folgen und verifizieren, ob es zu ungewöhnlichen Wetteinsätzen gekommen ist, oder auch um falsche Verdächtigungen aus dem Weg zu räumen.
Neben der Prävention reagieren wir mit Repression. Spieler, die eine illegale Ansprache erhalten oder davon erfahren, müssen dies sofort beim DFB melden – über den Auffangtatbestand des unsportlichen Verhaltens. Wir müssen hier aber sehen, ob wir unser Regelwerk noch enger fassen. Das bereiten wir gerade vor.
Außerdem arbeiten wir mit den Staatsanwaltschaften zusammen. Theo Zwanziger, der Präsident des Ligaverbandes Reinhard Rauball und ich haben mit einigen Justizministern ein erstes Gespräch geführt und werden dies bald ebenfalls mit einigen Generalstaatsanwälten tun, um einen frühzeitigen Austausch von Informationen zu erreichen. Damit wollen wir unsere Sachkenntnis zur Verfügung stellen und dabei helfen, Betrugstatbestände durch unser spezifisches Fußballwissen leichter aufzudecken. Wichtig ist aber vor allem, dass die Staatsanwälte wissen, dass wir oftmals sportrechtlich eher in der Lage sind zu reagieren als in einem Strafprozessverfahren.
Für uns ist es von zentraler Bedeutung, schnell reagieren zu können, um auf einen laufenden Wettbewerb noch Einfluss nehmen zu können. Bei dem Fall Robert Hoyzer, der unter anderem das DFB Pokalspiel zwischen dem Hamburger SV und dem SC Paderborn manipuliert hatte, zum Beispiel waren die weiteren Hauptrunden des DFB-Pokals schon gespielt, da konnte man den HSV nicht mehr anstelle von Paderborn spielen lassen. Das ist unschön, wenn man bei einem abgeschlossenen Wettbewerb manipulierte Ergebnisse nicht mehr korrigieren kann. Wenn wir die Informationen frühzeitig haben, können wir zum einen Spieler sperren und zum anderen die laufenden Wettbewerbe korrigieren.

Der Weltfußballverband FIFA hat Online ein Whistleblower-System eingerichtet, wo anonyme Hinweise eingehen können, ähnlich wie viele Unternehmen es auch haben, damit Verstöße gegen Gesetz und eigene Regeln gemeldet werden können. Plant der DFB etwas Ähnliches?
Die DFL hat bereits einen Ombudsmann. Wir überlegen das ebenfalls, wollen aber erst einmal die Erfahrungen der DFL auswerten. Bei uns ist es noch unklar, wie die Zusammenarbeit mit unseren satzungsgemäßen Gremien im Kontrollausschuss und in der Sportgerichtsbarkeit aussieht. Wir haben ja bereits viele Änderungen getätigt und fangen nicht bei null an. So ist es nicht erlaubt, bei Wettbewerben zu wetten, an denen man selbst teilnimmt oder in denen man als Schiedsrichter pfeift. Bei einem Fall kürzlich in Wilhelmshaven haben sich Spieler, die angesprochen wurden, auch sofort gemeldet, was wir durchaus als Erfolg werten.
Im Vergleich zu der großen Anzahl an Spielen, auf die man jedes Wochenende wetten kann von den ersten vier Ligen, Juniorenbundesliga bis hin zur Frauenbundesliga, ist die Zahl der Hinweise relativ gering. Oftmals lassen sich die Hinweise zudem nicht verifizieren.
Uns stellt sich die Frage, ob ein Ombudsmann auch zu einem Instrument werden kann, das missbraucht wird, und man einem Ombudsmann eher einen Hinweis gibt, der nicht zutreffend ist, als beispielsweise den Gremien der DFB. Der Vorteil ist aber natürlich, dass man über den Ombudsmann Informationen bekommen kann, die man sonst nicht erhalten hätte. Dann kommt es auf den sorgfältigen Umgang mit diesen Informationen an. Noch sind wir bei unserer Arbeit am Anfang und insofern schließe ich auch nicht aus, dass wir so etwas noch einführen werden.

Der FIFA-Skandal um die Vergabe der Fußballweltmeisterschaft nach Katar hat große Auswirkungen auf das Ansehen des Fußballs. Wie verhält sich der DFB dazu?
Ich denke, dass die Berufung von Theo Zwanziger zum Vorsitzenden der neuen Statutenkommission eine sehr große Chance ist, grundsätzliche Veränderungen in der Fifa auf den Weg zu bringen. Es ist wohl auch ein Signal des FIFA-Präsidenten Sepp Blatter, dass er gerade die deutschen Initiativen, was die Reformnotwendigkeit der FIFA angeht, unterstützt. Wir haben immer gesagt, wir wollen den Reformprozess der FIFA von innen heraus mitgestalten. Theo Zwanziger kann dies nun übernehmen.
Es muss darum gehen, die FIFA deutlich transparenter zu machen. Das interne Organisationsreglement hat in einigen Bereichen Kompetenzen gegen die Satzungen und Statuten der Fifa verschoben, indem es auch dem Präsidenten Rechte eingeräumt hat, die ihm nach der Fifa-Satzung eigentlich nicht zukommen. Wir brauchen hier deswegen das Vier-Augen-Prinzip und eine intensive Kontrolle der Finanzverkehre innerhalb der Fifa und gegenüber Geschäftspartnern. Wir brauchen ebenfalls einen allgemeinen Compliance-Kodex, der auch von unabhängigen Einrichtungen überprüft wird. Das alles hat der DFB intensiv vorbereitet. Zwanziger hat Blatter dies bereits vor seiner Berufung vorgetragen. Blatter weiß also, dass Zwanziger hier die Absicht hat, grundsätzlich etwas zu verändern. Dass Blatter den DFB-Präsidenten dennoch zum Vorsitzenden der Statutenkommission berufen hat, sehe ich auch als Indiz dafür, dass es der FIFA mit den Reformvorstellungen ernst ist.
Blatter befindet sich in seiner letzten Amtszeit, da denkt man schon eher daran, mit welchem Bild man aus dem Amt scheidet. Deswegen halte ich sein Vorgehen und seine Absichtsbekundungen auch für glaubwürdig. Gleichwohl ist klar, dass es einflussreiche Persönlichkeiten in der FIFA gibt, die bei den Bekenntnissen zu notwendigen Reformvorstellungen noch eine gewisse Reserviertheit an den Tag legen. Man muss da auch sehen, dass die Rechtskultur in den Mitgliedsverbänden der FIFA teilweise eine andere ist als im DFB. Es geht also nicht nur darum, den Präsidenten für den Reformprozess zu gewinnen, sondern mindestens auch die Mitglieder des Exekutivkomitees. Das ist eine Herkules-Aufgabe.

Herr Grindel, ich danke sehr für das Gespräch.


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