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Stader Tageblatt vom 09.06.12

Grindel: Wir brauchen mehr Erdung

Der 1. Vizepräsident des Niedersächsische Fußballverbands im TAGEBLATT-Interview - Fakten vom Kreisfußballtag in Ahlerstedt

TAGEBLATT: Das Lizenzierungsverfahren für die höchste niedersächsische Spielklasse, die Oberliga Niedersachsen, funktioniert offenbar nicht. Vereine wie Kickers Emden und Eintracht Nordhorn bekommen die Lizenz und überstehen knapp die Hälfte der Saison, bevor sie Insolvenz anmelden. Kann man das nicht besser machen?
Reinhard Grindel: Andere Landesverbände haben so ein Verfahren gar nicht. Dort gibt man sich mit der Hinterlegung einer Bürgschaft zufrieden. Das ist beim NFV schon anspruchsvoll. Ich will die Arbeit der Lizenzierungskommission nicht kritisieren. Die Fälle Emden und Nordhorn sind unterschiedlich gelagert. In Emden wurde die Pokaleinnahme gepfändet. Das war nicht vorhersehbar und in Nordhorn ist offenbar das Marketingkonzept nicht aufgegangen. Grundsätzlich: Man steht immer vor der Frage, ob man einem Verein, der sich sportlich qualifiziert hat, so hohe finanzielle Hürden bauen soll, dass er in der Liga, für die er sich sportlich qualifiziert hat, nicht spielen kann. Ich hoffe, dass die Vorgänge in Emden und Nordhorn und jetzt in Osterholz, das seine Lizenz zurückgegeben hat, dazu führen, dass die Vereine wieder ihre finanziellen Möglichkeiten realistischer einschätzen. Ich hoffe auch, dass die Spieler sich mit ihrer Forderung zurücknehmen. Wir brauchen wieder mehr Erdung, mehr Freude am Fußball und mehr Realismus in der Oberliga. In die Oberliga muss die Vernunft einkehren.

TAGEBLATT: Emden hatte zwei Millionen Euro Schulden und hat auf dem Einspruchsweg vom NFV-Präsidium trotzdem eine Lizenz bekommen. War das nicht eine Pleite mit Ansage?
Reinhard Grindel: Die Schuldenlast als solche ist nicht die entscheidende Frage. Die entscheidende Frage ist, ob die Saison finanziert ist, und das war nach einer weiteren Zusage eines Sponsors und vor dem Hintergrund der Teilnahme am DFB-Pokal realistisch. Das hat die Pfändung der Pokaleinnahmen durch den ehemaligen Präsidenten, der vorher sein Stillhalten signalisiert hatte, zunichte gemacht. Wenn man die Schulden bedienen kann und die Saison finanziert ist, kann man erst einmal spielen.

TAGEBLATT: Das Thema Kreisreform. Aus der Distanz konnte man den Eindruck gewinnen, dass der NFV die Fusion der Kreise unbedingt und gegen den Widerstand vielerorts durchsetzen will. Wie ist Ihre Position in dieser Frage?
Reinhard Grindel: Ich halte überhaupt nichts von Zwangsfusionen, weil das mit der Gefahr verbunden ist, ehrenamtlich Tätige zu verlieren. Es macht Sinn, wenn sich auf freiwilliger Basis die kleineren Kreise Partner suchen, um langfristig Spielbetrieb, Ausbildung und Talentförderung sicherzustellen. Solange nicht irgendwo der Spielbetrieb oder die Arbeit der Vereine durch einen nicht leistungsfähigen Kreis gefährdet ist, gibt es für den Verband keinen Grund zwangsweise einzugreifen. Es wird jetzt eine Reihe von Fusionen auf freiwilliger Basis geben. Das ist der richtige Weg.

TAGEBLATT: Ziehen Kreisgebietsreformen auf politischer Ebene automatisch Fusionen auf der Fußballverbandsebene nach sich?
Reinhard Grindel: Einen Automatismus wird es nicht geben, aber dass mögliche politische Fusionen ein Grund für den Fußball sein können, sich dem anzuschließen, steht außer Frage.

TAGEBLATT: Sie werden als erster Stellvertreter von Karl Rothmund schon jetzt als dessen Nachfolger gehandelt.
Reinhard Grindel: Da soll man die Kirche im Dorf lassen. Ich bin gerade einmal ein Dreivierteljahr im Amt und Karl Rothmund ist bis 2014 gewählt. Alles andere wird sich danach ergeben.

TAGEBLATT: Sie sitzen für die CDU im Bundestag. Der jetzige Präsident Karl Rothmund ist CDU-Mitglied. Dessen Vorgänger Nelle war auch CDU-Bundestagsabgeordneter. Ist das richtige Parteibuch Eingangsvoraussetzung für wichtige Aufgaben beim NFV?
Reinhard Grindel: Nein, das war auch bei mir nicht der entscheidende Grund. Ich war sechs Jahre im Vorstand des Rotenburger SV und habe eine Fußballvergangenheit. Es ist in dieser Aufgabe nicht einfach, für jemanden, der voll im Beruf steht, Ehrenamt und Job zu koordinieren. Für mich als Bundestagsabgeordneter ist es ein großer Vorteil, dass ich über meinen Terminkalender weitgehend selbst bestimmen kann. Das ist der eine Aspekt. Ein anderer ist, dass es bei vielen Themen wichtig ist, zu wissen wie die Wege sind, damit man zum Vorteil des Sports Einfluss nehmen kann. Ich glaube nicht, dass es jemanden im Verband gibt, der sagt, dass ich Verbands- und Parteiarbeit nicht trennen kann. Es gibt viele im Verband, die in der SPD tätig sind. Mit denen besteht ein großes Einvernehmen. Das gilt auch für die DFB-Ebene. Der Bremer Präsident sitzt für die Grünen in der Bürgerschaft, und auch mit ihm arbeite ich freundschaftlich zusammen.

TAGEBLATT: Sie waren vor Ihrem Wechsel in die Politik ein bekannter Fernsehjournalist. Wieso haben Sie die Seiten gewechselt und sind in die Politik gegangen?
Reinhard Grindel: Ich war während meiner Studentenzeit schon mal politisch aktiv. Ich habe dann nach 15 Jahren Pause eine alte Leidenschaft wiederentdeckt. Dazu kommt, dass, wenn man lange über Politik berichtet hat, irgendwann an einem Punkt ist - an dem übrigens viele Journalisten sind - an dem sie auch mal etwas in der Sache bewegen wollen. Mancher Journalist versucht es dann in der Zeitung, aber ich meine, wenn man selbst Einfluss nehmen will, muss man runter von der Zuschauertribüne und rauf auf das Spielfeld. Das habe ich gemacht. Darüber hinaus ist die Vermittlung von Politik eine immer wichtigere Aufgabe. Das ist vielleicht etwas einfacher, wenn man das gelernt hat. In Amerika ist es üblich, dass man die Seiten wechselt. Ich werde wahrscheinlich nicht in den Journalismus zurückkehren können, weil das in Deutschland noch die Ausnahme bildet.

TAGEBLATT: Und wie ist das Ergebnis dieses Feldversuches?
Reinhard Grindel: Mal so, mal so. Natürlich ist es manchmal sehr mühsam, Dinge umzusetzen. Man lernt in der Politik, dass es dabei nicht immer nur um die Sache geht und viele andere Dinge eine Rolle spielen. Aus welchem Landesverband kommt man, mit wem kann man gut und mit wem kann man nicht so gut, und als Abgeordneter einer der Regierungsfraktionen muss man auf den Koalitionspartner Rücksicht nehmen. Insgesamt: Wenn man 14, 15 Stunden am Tag unterwegs ist, dann muss man an dem was man macht große Freude haben, sonst ist man nicht gut in dem was man macht. Wenn mir die Politik keinen Spaß mehr machen würde, würde ich etwas Anderes tun.

TAGEBLATT: Das Thema Zuschauerzahlen im Amateurbereich. Viele Vereine klagen darüber, dass die ausufernden Fernsehübertragungen der Ersten und der Zweiten Liga, den Amateuren die Zuschauer wegnehmen. Ist das richtig?
Reinhard Grindel: Fairerweise muss man darauf hinweisen, dass die Deutsche Fußball-Liga für den Amateurfußball als Ausgleich für die beiden Sonntagsspiele zahlt. Aber inhaltlich ist es so, dass selbst wenn bei uns in Norddeutschland der HSV, Werder Bremen und Hannover nicht spielen, die Zuschauerzahlen nicht signifikant steigen. Es spielt vielmehr eine Rolle, dass Spieler aus der Region auf dem Platz stehen, die ihre ganze Familie und ihre Bekannten anziehen. Bei den Vereinen, wo stark auf Eigengewächse geachtet wird, sind die Zuschauerzahlen etwas besser. Und es kommt auch immer auf die Frage an, wie fußballverrückt das Dorf oder die Gemeinde ist und wie groß die Alternativen sind. Natürlich schaue ich als Rotenburger etwas neidisch auf die Zuschauerzahlen in Heeslingen oder Drochtersen. Außerdem müssen die Vereine in Zukunft auch Angebote für die ganze Familie bereithalten. Ein Spielplatz neben dem Fußballplatz gehört dazu. Vielleicht ist es im Amateurbereich auch sinnvoll öfter in der Woche zu spielen.

TAGEBLATT: Deshalb haben Sie dem VfL Stade auch den Trainer Benjamin Duray weggeschnappt?
Reinhard Grindel: Das war die Entscheidung des heutigen Präsidiums des RSV. Ich wollte Duray schon viel früher holen, als ich in Rotenburg noch im Vorstand saß, das war 2008. Er ist ein sehr guter Trainer und in der Region gut vernetzt. Er setzt auf Talente aus der Region. Das ist genau der richtige Weg.


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