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Kommunalpolitische Blätter vom 01.04.08

Integration im Fitnessraum

Niedersachsen hat Angebote für Spätaussiedler verbessert

Das Zusammenleben von Spätaussiedlern und Einheimischen ist in den Kommunen oft nicht einfach. In Rotenburg (Wümme) ist es gelungen, schwierige Jugendliche von der Straße in den Fitnessraum zu holen. Die "Muckibude" ist jetzt Anlaufstelle für die wichtige Integrationsarbeit.

Junge Aussiedler und Ausländer fit zu machen für Integration – in meinem Wahlkreis in Rotenburg (Wümme) passiert das in einem Fitnessraum. Hanteln und Gewichte lassen nicht nur Aggressionen weichen, sondern auch manche Hemmschwelle, Angebote der aufsuchenden Jugendsozialarbeit anzunehmen. Das Projekt „Kontakt – aufsuchen statt ausweichen“ hat sich zur Aufgabe gemacht, mit jugendlichen Aussiedlern zu arbeiten, die schulische Defizite und daraus folgend keine gute Perspektive auf dem Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt haben.
Aufsuchende Straßensozialarbeit in Rotenburg bedeutete zu Beginn im wahrsten Sinne des Wortes, die jugendlichen Aussiedler von der Straße zu holen, wo manch feucht-fröhliche „Kofferraum-Party“ gefeiert wurde, an deren Ende des Öfteren die Polizei für Ordnung sorgen musste. Neben offenen Sportprojekten wurde mit Hilfe des Jugendmigrationsdienstes und des Diakonischen Werks der Fitnessraum etabliert, der heute auch als Anlaufstelle für wichtige Integrationsarbeit dient. Viele Jugendliche können sich den Besuch eines kommerziellen Fitnessstudios nicht leisten und nehmen deshalb das Angebot gerne wahr, das von der Stadt und dem Bundesamt für Migration getragen wird. Ein Straßensozialarbeiter steht dort für Beratungsgespräche und Hilfe in Problemlagen zur Verfügung.
Schnell stellte der „Fitnesstrainer für Integration“ fest, dass er zwar an männliche Jugendliche gut herankam, nicht aber an junge Aussiedler- und Ausländerinnen. Nach der Schule sind diese selten auf der Straße anzutreffen, weil sie Aufgaben im Haus erfüllen müssen.
Mit Unterstützung des Bundesamtes für Migration ist jetzt eine Erzieherin eingestellt worden, die sich im Rahmen des „Projekts Zukunft – interkulturelle Jugendarbeit in Rotenburg“ um die Mädchenarbeit kümmern soll. Ihr geht es vor allem auch darum, mit den Eltern ins Gespräch zu kommen, gerade um die Chancen von jungen Aussiedlerinnen oder Muslima zum Besuch einer weiterführenden Schule zu erhöhen. Es erscheint im Hinblick auf Konflikte zwischen den verschiedenen Migrantengruppen sinnvoll, dass die Integrationsangebote gleichermaßen für Aussiedler wie für Ausländer offen sind.
Zielsetzung der Arbeit ist es, die jungen Migranten professionell zu begleiten, wenn es um schulische Nachhilfe oder die Suche nach einem Ausbildungsplatz geht. Außerdem sollen die Jugendlichen auch an andere Angebote, etwa von Sportvereinen herangeführt werden. Dabei trifft es sich, dass es in Rotenburg einen anerkannten Stützpunktverein „Integration durch Sport“ gibt, der sich besonders um Vereinsmitglieder mit Migrationshintergrund kümmert und über Übungsleiter verfügt, die selbst Aussiedler sind. Gemeinsames Sporttreiben schafft Erfolgserlebnisse, verbindet Zuwanderer und Einheimische und ist bestens geeignet, sprachliche und ethnische Barrieren zu überwinden. Gleichzeitig wird ein Beitrag zur Gewalt- und Suchtprävention geleistet.
Entscheidend ist, dass die Straßensozialarbeit und das Engagement des Sportvereins eingebettet werden in ein kommunales Netzwerk. Integration vor Ort setzt die intensive Zusammenarbeit aller an der Integration beteiligter Stellen voraus. Dazu gehören die Integrationskursträger, die Kindertagesstätten und Schulen, aber auch die Ausländerbehörde, das Bundesamt für Migration, die Jugend- und Sozialämter und Präventionsräte. Es gilt, Berührungsängste abzubauen, einen intensiven Informationsaustausch zu pflegen und für eine konsequente Integration von Aussiedlern und Ausländern zu sorgen. Migrantenfamilien brauchen ein umfassendes Integrationsangebot, weshalb sich alle mit ihnen befassten staatlichen Stellen abstimmen und ihre Erkenntnisse zusammentragen müssen.
Gerade die Ausländerbehörden werden dabei noch viel zu sehr als Ordnungsbehörden und bedrohend für Migranten wahrgenommen. In Wahrheit spielen viele als Integrationsbehörde bei der Eingliederung von Ausländerinnen und Aussiedlern eine bedeutende Rolle. In Niedersachsen wird diese Arbeit von 15 Integrationsleitstellen begleitet. In allen Landkreisen werden sie von ehrenamtlichen Integrationslotsen unterstützt.
Von besonderer Bedeutung für die Integration der Aussiedler vor Ort ist für mich auch die Anerkennung von im Ausland erworbenen Bildungs- und Berufsabschlüssen. Dabei liegt es nicht nur im Interesse der Aussiedler, sondern vieler Bürger in den Kommunen vor Ort, hierbei verborgene Kompetenzschätze zu heben. Als Beispiel sei nur der Ärztemangel in einigen ländlichen Regionen genannt. Wir brauchen Hilfsangebote etwa der Kammern, um die Anerkennung von Abschlüssen zu beschleunigen und für notwendige Zusatzqualifikationen zu sorgen, um in Berufen mit spezifischen Zulassungsvoraussetzungen arbeiten zu dürfen.
Nach meiner Erfahrung ist in vielen Kommunen nicht bekannt, welche flankierenden Maßnahmen der Bund und auch die Europäische Union für die gesellschaftliche und soziale Integration von Aussiedlern gerade in Problemvierteln anbieten. Die Mittel für den sozialen Stadtumbau sind dabei nur ein Beispiel. Gefördert werden gemeinwesenorientierte und wohnumfeldbezogene Projekte, die die Einbindung in die örtliche Gemeinschaft, die Förderung des ehrenamtlichen Engagements, die präventive Arbeit, die Entschärfung sozialer Konflikte und die Verbesserung der Kontakte zwischen Aussiedlern, Ausländern und Einheimischen unterstützen.
Wir sollten uns vor Illusionen hüten. Politik muss die Wirklichkeit wahrnehmen. Deshalb sollten wir nicht leugnen, dass es nicht nur mit Ausländern, sondern auch mit Aussiedlern Integrationsprobleme gibt. Die Berichte von Polizeiinspektionen in Gebieten mit höherem Aussiedleranteil über Alkohol- und Drogenmissbrauch und zum Teil erhebliche Körperverletzungsdelikte dürfen wir nicht ignorieren. Dabei kommt es immer wieder auch zu Konfrontationen zwischen jugendlichen Aussiedlern und Ausländern, etwa im Umfeld von Diskotheken.
Die wachsenden Aufgaben der Integration können dabei nicht überraschen. Am Beginn der Übersiedlung nach Deutschland kamen zu achtzig Prozent Deutsche und zu zwanzig Prozent nicht-deutsche mitreisende Familienangehörige. Viele von ihnen haben zu unserem Wohlstand beigetragen und leben gut integriert in unserem Land. Diese Verhältnisse haben sich heute umgekehrt. Nur zwanzig Prozent haben deutsche Wurzeln und achtzig Prozent sind nichtdeutsche Familienangehörige. Dementsprechend sind die Integrationsprobleme gewachsen, auf die bei der Integration vor Ort reagiert werden muss. Gleichwohl muss auch hervorgehoben werden, dass die Arbeitslosigkeit unter Aussiedlern anders als bei Ausländern seit Jahren rückläufig ist.
Es ist dabei zu begrüßen, dass aufgrund der freien Kapazitäten im Grenzdurchgangslager Friedland bereits dort die Integrationsangebote verstärkt worden sind. So werden Integrationskurse durchgeführt, um möglichst frühzeitig sprachliche Defizite abzubauen und die persönlichen Startchancen zu verbessern. Gleichzeitig geht es auch um die Vermittlung von Gesetz, Kultur und Fragen des täglichen Lebens, die in den Integrationskursen behandelt werden. Die Sprache des Landes, in dem man lebt, eröffnet den Zugang zum Denken und der Kultur einer Gesellschaft.
Vorbildlich ist auch das Projekt der CDU-Niedersachsen „Angekommen“, bei dem jugendliche Spätaussiedler für besondere Leistungen ausgezeichnet wurden. Gelungene Integration hat dabei ein Gesicht. Vorbilder laden zum Nacheifern ein und zeigen, dass Leistungsbereitschaft in Schule, Ausbildung und Beruf, aber auch ehrenamtliches Engagement, den Prozess einer gelungenen Integration beschleunigen können.
Hilfreich ist es dabei auch, dass gerade in den Stadt- und Gemeinderäten Kommunalpolitiker vertreten sind, die selbst aus der Gruppe der Aussiedler stammen.
Schließlich ist erfolgreiche Integration vor Ort nur im gemeinsamen Zusammenwirken aller Verantwortlicher möglich und kann dann besonders gut gelingen, wenn die betroffenen Migranten in den Integrationsprozess selbst mit einbezogen werden.

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